Text der Woche

Maximilian Huber: Margarete und Rudl in der Revolution

I.

  „Gebt obacht, welche Teufel ihr in eure Stadt holt! Und denkt nach, wie ihr sie bei Bedarf wieder loswerdet!“. Der Redner der kommunistischen Partei Österreichs, Johann Koplenig,  brüllte seine Worte in den vollgerammelten Eichensaal in Wien Favoriten. Die junge Architektin Margarete applaudierte heftig und stieß in ihrer revolutionären Erregung mit ihrem gutaussehenden Nachbarn zusammen. Der arbeitslose Maurer und Bautischler Rudl, aus dem Dunkelsteinerwald, war nicht minder begeistert, Zuerst von der Rede des Politikers und anschließend von seiner mit ihm kollidierenden Sitznachbarin. Der Rudl war jetzt seit drei Monaten in Wien, arbeitslos und der Hunger trieb ihn vom Männerwohnheim auf die Straßen und von dort in die verschiedenen Politversammlungen, wo er und viele Leidensgenossen hofften, verköstigt zu werden oder Arbeit zu finden.

Roland Köhler: Allzeit Säue

1

Major Hump lag in seinem Erbrochenen und das am Sonntagvormittag mitten vor der „Burg“ genannten Theresianischen Militärakademie. Der Anblick stellte eine unglaubliche Schweinerei dar.

„Hol mir sofort diesen Sauvettel her“, brüllte Oberst Sabak mit hochrotem Kopf seinem Adjutanten Gerfried Hölles zu. Dies veranlasste wiederum bei der Frau Oberst Maria Sabak einen Ingrimm. Sie dachte, ihr Angetrauter habe von ihr gesprochen. Sie überlegte kurz, ihm ihre Handtasche über den Schädel zu ziehen, alleine der Umstand, das sie eine erst kürzlich erworbene Gucci trug, hinderte sie daran.

So zischte sie nur etwas von bereuen und später sehen und stolzierte hocherhobenen Hauptes alleine in die Sonntagsmesse.

Hubert Hutfles: 3 neue Gedichte

kosten fast nix
eingelegte zeiten
neben frisch
aufgeschnittenen
himmeln
vor lauter stress
keine ahnung
von der materie
so lieget der kopf
auf kühlem moos
hier bin ich mensch
hier schlaf ich ein
wischfeste geschichte
um kaisers bart
gehärtetes display
der körper getaggt
wo bist du jetzt
genau vor dir

 

 

ossetischer wind
meinem großvater johann

Paul Eisenkirchner: Vom Dach aus ...

Vom Dach aus lasse ich einen Drachen
steigen und sehe Weinberge hier Schneeberg dort
Lachen um mich das Wehen der Zeit

aus der ich falle in Gedanken los
als ob das was wir uns nicht
oder nicht mehr vorstellen können Maß ist
für lang Vergangenes Wortreiches ohne die Beweise
der Augen das erste Coca-Cola beim Wirten
barfuß durch die Tage durch die Felder
der tägliche Gang zur Lehrstätte später dann
das Fahrrad noch später dann mit dem
ersten Motorklang in das Kino das Lichtspieltheater