Text der Woche

Maximilian Huber: Die Riesenschlange im Sack gehabt und wieder herausgelassen

Paris – Ein Fest fürs Leben?

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   Der alte Hasenfranz war noch ein junger Bauer, als er in das internationale Reisebüro des Braunauer Unternehmers, des unaussprechlichen Schickelgruber, eintreten musste. Und so begab es sich, dass er sich 1939 als Adjutant des Hauptmannes Ernst Jünger, am Westwall gegenüber der Maginot Linie wiederfand. Adjutant war vielleicht etwas übertrieben ausgedrückt, er durfte aufgrund seiner beruflichen Vorbildung die Pferde des Kriegshelden füttern, tränken und bis zur Reinlichkeit streicheln. Und so verschlug es unseren Schwejk und seinen Dienstgeber nach Paris.

Horst Hahn: Das erste Buch aus ihren Händen

Es ist schon eine kleine Ewigkeit her, als ich mein erstes Buch aus ihren Händen empfing. Vieles von damals ist nicht mehr. Die meisten Handwerker wurden nicht mehr gebraucht, viele Fachgeschäfte verloren ihre Kundschaft oder schlossen ihre Pforten, weil niemand die Nachfolge antreten wollte. Die duftenden Backstuben sind längst für immer geschlossen, der Schirmhändler hat das Geheimnis seiner Kunstfertigkeit zwei Meter unter die Erde mitgenommen. Die Confiserie an der Ecke ist nur noch ein kleines Cafe. Es führt keine Süßigkeiten mehr.

Hubert Hutfles: Freitag der 13te

Freitag der 13te
Wie durch ein Wunder flog der goldene Luftballon über den Zaun in seinen Garten und trudelte zwischen den Bäumen dahin,  sank nieder auf Schneiders Augenhöhe, verhedderte sich in Zweigen, kratzte an Rinden und machte Blätter tanzend. Das ist reine Poesie, nein Liebe so er. Die Schneiderin bot ihm diesen Luftballon schon in aller Herrgottsfrühe an, als er um die Ecke bog auf seinem Spaziergang nach Irgendwo. Mit glänzenden Augen hielt er den Luftballon verschämt wie ein kleines Kind in Händen,

Paul Eisenkirchner: einmal noch: voll Leidenschaft

Jetzt hören Sie sich das einmal an: Der Klavierspieler, gleich zu Beginn, hat seine Finger verloren. Alle zehn auf einmal. Hätte er etwas zu diesem Vorfall sagen können, es wäre interessant gewesen – mit Sicherheit – aber er schweigt. Kein Laut über seine Lippen, nicht eine Melodie.
Dabei die Geschichte die es zu erzählen gäbe, wie schon gesagt, mit Sicherheit – ach, was sage ich?

Günter Schmidhofer: Saubad

Ich erinnere mich an warme Sommertage in denen wir jungen Menschen uns auf unsere alten und klapprigen Fahrräder setzen, unsere Badesachen samt einem Handtuch auf den Gepäckträger spannten und in Richtung Freibad fuhren.

Manche etwas ältere hatten bereits 10-Gangräder mit Sportlenker und zwei Bremshebel.

Wir kleineren hatten einen Bremshebel den wir aber nie nutzten, der junge Held benutze einfach die Rücktrittbremse und dies bevorzugt auf Schotter und Kies. Selbst auf heißem Asphalt war die Rücktrittbremse ein Statement, je länger der Gummiabrieb desto höher wurde der junge Primat von seinem Rudel geschätzt.

Maximilian Huber: Margarete und Rudl in der Revolution

I.

  „Gebt obacht, welche Teufel ihr in eure Stadt holt! Und denkt nach, wie ihr sie bei Bedarf wieder loswerdet!“. Der Redner der kommunistischen Partei Österreichs, Johann Koplenig,  brüllte seine Worte in den vollgerammelten Eichensaal in Wien Favoriten. Die junge Architektin Margarete applaudierte heftig und stieß in ihrer revolutionären Erregung mit ihrem gutaussehenden Nachbarn zusammen. Der arbeitslose Maurer und Bautischler Rudl, aus dem Dunkelsteinerwald, war nicht minder begeistert, Zuerst von der Rede des Politikers und anschließend von seiner mit ihm kollidierenden Sitznachbarin. Der Rudl war jetzt seit drei Monaten in Wien, arbeitslos und der Hunger trieb ihn vom Männerwohnheim auf die Straßen und von dort in die verschiedenen Politversammlungen, wo er und viele Leidensgenossen hofften, verköstigt zu werden oder Arbeit zu finden.

Roland Köhler: Allzeit Säue

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Major Hump lag in seinem Erbrochenen und das am Sonntagvormittag mitten vor der „Burg“ genannten Theresianischen Militärakademie. Der Anblick stellte eine unglaubliche Schweinerei dar.

„Hol mir sofort diesen Sauvettel her“, brüllte Oberst Sabak mit hochrotem Kopf seinem Adjutanten Gerfried Hölles zu. Dies veranlasste wiederum bei der Frau Oberst Maria Sabak einen Ingrimm. Sie dachte, ihr Angetrauter habe von ihr gesprochen. Sie überlegte kurz, ihm ihre Handtasche über den Schädel zu ziehen, alleine der Umstand, das sie eine erst kürzlich erworbene Gucci trug, hinderte sie daran.

So zischte sie nur etwas von bereuen und später sehen und stolzierte hocherhobenen Hauptes alleine in die Sonntagsmesse.

Hubert Hutfles: 3 neue Gedichte

kosten fast nix
eingelegte zeiten
neben frisch
aufgeschnittenen
himmeln
vor lauter stress
keine ahnung
von der materie
so lieget der kopf
auf kühlem moos
hier bin ich mensch
hier schlaf ich ein
wischfeste geschichte
um kaisers bart
gehärtetes display
der körper getaggt
wo bist du jetzt
genau vor dir

 

 

ossetischer wind
meinem großvater johann

Paul Eisenkirchner: Vom Dach aus ...

Vom Dach aus lasse ich einen Drachen
steigen und sehe Weinberge hier Schneeberg dort
Lachen um mich das Wehen der Zeit

aus der ich falle in Gedanken los
als ob das was wir uns nicht
oder nicht mehr vorstellen können Maß ist
für lang Vergangenes Wortreiches ohne die Beweise
der Augen das erste Coca-Cola beim Wirten
barfuß durch die Tage durch die Felder
der tägliche Gang zur Lehrstätte später dann
das Fahrrad noch später dann mit dem
ersten Motorklang in das Kino das Lichtspieltheater