Leseprobe: „Der Festungskommandant“

Sommer 1963….eine politisches Schmierenspiel von Florian Juterschnig….

Sommer 1963, die Republik der Freiheit, das ehemalige Königreich Bergen ist besiegt. Die Städte liegen in Trümmern, die Anführer sind tot, das Volk auf der Flucht vor sich selbst. Wie konnte es dazu kommen? Wie konnte in einem Kunst und Kulturstaat der Wahnsinn einziehen, ein Tobsüchtiger das Kommando übernehmen? Gehen Sie mit einem jungen Literaturprofessor der Bergen nach der Kapitulation einst besuchte dieser Frage nach.

Die Romane „Keinen Schritt zurück“ und „Der Festungskommandant“ geben Einblick, versuchen zu erklären. Begleiten Sie einen jungen Oberleutnant beim Versuch eine verschlafene Kleinstadt zur Festung auszubauen während er mehr und mehr am Militär zweifelt….oder sehen Sie das Leben und Sterben von Maggy Stuart dem Vagantenmädchen und Straßenkind, welches ihr vornehmes bürgerliches Leben in einer Eliteparteischule verlor als ihre Geschwister in den Widerstand gingen….

 

Leseprobe: „Der Festungskommandant“

Der letzte Sommer der alten Welt

In jenem Sommer der in späterer Erinnerung als der letzte, jener aus heutiger Sicht skurrilen aber glanzvollen Zeit eingehen sollte war es ungewöhnlich heiß in Bergen. Einen so schönen und warmen Sommer hatte es auf dem ganzen Kontinent schon lange nicht mehr gegeben. Nach den wirren der Revolution war endlich ein wenig Ruhe eingekehrt und die Menschen begannen sich wieder mehr zu entspannen. Die verordnete Rückkehr in die Häuslichkeit trug Früchte. Man fuhr Boot, ging an den See oder entspannte sich in einem der gerade aufkommenden Freibäder. Aufbruchsstimmung lag in der Luft. Überall gab es damals Jahrmärkte mit Schießbuden und Karussellen, die feinen Damen entspannten sich bei Tee-Kränzchen und fast ein jeder ging dort wo er es sich leisten konnte schwimmen. Nach Jahren der Armut konnten sich viele auch erstmals ein Automobil oder zumindest ein Motorrad leisten, der einziehende Wohlstand ließ die beginnende Freiheit und Freizeitgesellschaft erahnen. Ausländische Beobachter die den Volksfesten und Tanzrunden in den größeren Städten beiwohnten meinten zwar man würde sich vor dem gefühlten Knall noch einmal entspannen, doch daran dachten in diesen herrlichen Juli-Tagen 1959 die wenigsten Leute. Die Regierung hatte das Land mit einigem Säbelrasseln um die internationale Anerkennung gebracht aber Mitten im Kalten Krieg interessierte es die Mächtigen dieser Welt herzlich dass in Bergen fast am Ende der Welt irgendwie die Zeit in den 1920ern hängen geblieben war. Gleichzeitig mit der umfassenden Elektrifizierung der Städte, verlegte man das erste Fernmeldekabel von West nach Ost. Die mitziehenden Arbeiter wurden von einem eigenen Tross in Arbeit und Brot gehalten und gleichwohl verschwanden damit endlich die zerlumpten und oft armseligen Bettler von den Straßen. Die Aufrüstung der Armee hatte zwar auch Unmut erregt, aber wenn die jungen Soldaten durch die Straßen zogen war schnell alles auf den Beinen. Mit Freibädern und einem bunten öffentlichen Angebot lockte man die bleichen Arbeiterkinder an die frische Luft und sagte so auch der Tuberkulose Lebwohl. Die allgegenwärtigen Parteimädchen erhellten die Stimmung mit ihren Aufmärschen und wenn man sie doch einmal genervt aus der Stadt trieb, fuhren sie nach Koruna am schönen Eger See und machten eine Badeurlaub. Man mochte über Politik und den Tanz auf dem Vulkan denken was man wollte aber in diesem Sommer blühte der Glanz des alten Königreiches Bergen und der daraus entstandenen Republik der Freiheit noch einmal vollends auf. Ja es lag Spannung in der Luft, denn vor einiger Zeit hatte die Regierung ihre Ansprüche auf die Nachbarstaaten geltend gemacht und begonnen einige Städte im Grenzgebiet zu besetzten…..